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Frostpunk – Wenn die Hölle zufriert

Von
am
19. Juni 2018

Eine Welt voller Dampf und Schnee. Das Leben in dieser post-apokalyptischen Eiswüste ist gnadenlos und oft kürzer als man sich wünscht. Als Symbol der Hoffnung dient ein glühender, pulsierender Reaktor: Ein mit Kohle betriebenes Monstrum und die letzte Boje der Menschheit in einem Meer aus Verzweiflung. Ihr agiert als Anführer eine Gruppe von Londoner Flüchtlingen. Und für euch gibt es für nur ein Ziel: Halte die überlebenden Männer, Frauen und Kinder am Leben. Egal was es kostet. Baut euch eine neue Zukunft in den wärmenden Schatten des Reaktors. Für euch bedeutet das Tage voller Koordination, Planung und schwerer Entscheidungen. Denn in einer Welt in der schwindende Kohle wie Blut durch die Adern der letzten Zuflucht fließt, ist die Grenze zwischen Hoffnung und Verzweiflung marginal.

Ein Lied von Holz und Kohle

Frostpunk ist eine klassische Aufbau-Simulation. Es gibt keinen Konflikt-Aspekt. Der Titel legt seinen Fokus auf gute, logistische Planung, das koordinieren von Arbeitern und haushalten mit limitierten Ressourcen. Alles verpackt in einem düsteren, endzeitlichen Szenario.
Dabei bleibt der Ablauf immer überschaubar. Insgesamt müsst ihr euch nur um vier Verbrauchsgüter kümmern. Jede dieser Materialien hat eindeutige Funktionen: Kohle beheizt euren Reaktor und sorgt dafür, dass eure Siedler nicht erfrieren. Geht die Kohle aus sinkt schnell die Hoffnung und das Spiel ist zu Ende. Stahl und Holz wird benötigt um Gebäude zu errichten und Technologien zu erforschen. Dampfkerne ermöglichen euch das Errichten von besonders effizienten Anlagen, sind aber stark begrenzt.

Das Betreiben von Gebäuden und Sammeln von Ressourcen übernimmt eure Bevölkerung. Diese kommen in zwei Kategorien: Arbeiter und Ingenieure. Beide Arten können jegliche Arbeit übernehmen. Allerdings können nur Ingenieure komplexe Aufgaben wie Forschung oder das Bauen von Maschinen übernehmen. Natürlich könnt ihr auch Ingenieure zum Abbau in die Kohleminen schicken. Allerdings kann es so passieren, dass euch nach einer Verletzung das qualifizierte Personal fehlt.

Im Laufe der Zeit könnt ihr Kundschafter in die Schneewüste entsenden. Diese kehren dann mit Material und neuen Flüchtlingen zurück. Das Eingliedern von neuen, helfenden Händen hat aber nicht nur Vorteile. Es wird mehr Nahrung benötigt, um die hungrigen Mäuler zu stopfen, mehr Unterkünfte, die sich immer weiter vom Zentrum eurer Siedlung entfernen. Und je weiter Gebäude vom Reaktor entfernt sind, desto kälter werden sie. Dieser Faktor bestimmt die Priorität, mit der Bauten in die inneren Ringe gebaut werden. Gebäude wie Sanitätsstationen funktionieren ohne ein bestimmtes Wärmeniveau gar nicht.

Wenn das Herz kalt sein muss

All diese Faktoten dürfen nicht aus dem Auge verloren werden. Zum Glück gibt euch Frostpunk alle paar Spieltage die Option ein neues Gesetzt zu erlassen. So legalisiert ihr Kinderarbeit, ordnet an die Suppe mit Sägemehl zu strecken oder genehmigt den Gebrauch von radikalen, medizinischen Eingriffen. Diese Entscheidungen sind nicht nur für das Gameplay extrem relevant, sondern stellen euch vor interessante, moralische Entscheidungen.
Oft erlasst ihr mit blutendem Herzen ein Gesetzt, das euch starke Gewissensbisse hinterlassen wird. Allerdings ist es für das Überleben eurer Siedlung unumgänglich. Das ist zu Beginn nur ein schwacher Trost, wenn ihr erfahrt, dass Arbeiter durch eure Überstunden dem Tode nah sind.

Das Glühen im Eis

Sowohl Grafik als auch Sound unterstreichen den melancholischen, düsteren Ton von Frostpunk. Das orangene Glühen des Reaktors, der wie eine Götze aus den Ringen aus düsteren Bauten hervorragt füllt euch mit genau so viel Hoffnung, wie eure Siedler. Die Musik hält sich zu jeder Zeit im Hintergrund. Keines der Musikstücke wird euch nach dem Beenden des Titels im Kopf bleiben. Dennoch untermalen die traurigen Klänge von Streichinstrumenten das Geschehen optimal.
Letztendlich ist das Treiben in Frostpunk schön anzusehen. Mit seinen farblichen Kontrasten aus hellem blau, tiefem Schwarz und stechendem Orange, wuselnden Arbeitern und stimmigen Lichteffekten sorgt der Titel für optische Abwechslung.

Fazit

Frostpunk macht mechanisch nicht viel anders als Mitbewerber in seinem Genre. Das Gesetz-System ist eine großartige Idee, die direkt in die größte Stärke des Titels hineinspielt: Atmosphäre. Der Titel ist nichts für leichte Gemüter. Eine schwere Entscheidung jagt die nächste. Es ist schier unmöglich das Gefühl stätiger Bedrohung abzuschütteln. Oft wird man vor schwere, moralische Entscheidungen gestellt. Doch wenn das Wetter auf -60°C fällt, muss man vielleicht doch schweren Herzens eine 24-Stundenschicht in den Kohleminen ausrufen. Selbst wenn es bedeutet, dass auch die Kinder, die man per Gesetzt zu Arbeit verpflichtet hat in Gefahr laufen Krank zu werden, Gliedmaßen zu verlieren oder gar zu sterben.
Auch wenn man keine Beziehung zu den einzelnen Menschen in seiner Siedlung aufbaut, so fühlt man doch den Schmerz der Menge. Und es fällt einem ein Stein vom Herzen, wenn nach mehreren Tagen der klirrenden Kälte die Hoffnung steigt und sich die Infrastruktur langsam wieder stabilisiert. Doch selbst dann hält Frostpunk einen immer in Alarmbereitschaft. Denn die nächste Kältewelle wird kommen.

Gerade darum ist es schade, dass es keinen Sandbox-Modus gibt, die einen vor mehr zufällige Ereignisse stellt. Die unterschiedlichen Szenarien geben einem zwar alternative Ausgangssituationen spielen sich aber auch beim zweiten Anlauf wieder exakt gleich. Wer also nicht daran interessiert ist seine Strategie in fixen Szenarien zu optimieren, wird eventuell nicht viel Wiederspielwert in Frostpunk finden. Glücklicherweise ist das Spiel auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad fordernd genug, mehrere Anläufe zum lösen der Story voraus zu setzen.

Du solltest Frostpunk spielen, wenn…

  • dir bei Aufbau-Simulationen ein guter Mix aus Makro- und Ressourcenmanagement wichtig ist.
  • du düstere, Szenarien magst.
  • dir Survival-Games wie Don’t Starve gefallen.
  • es für dich in Ordnung ist ein Spiel nach einmaligem durchspielen zur Seite zu legen.
  • du gerne fordernde Videospiele spielst und kein Problem mit erneuten Anläufen hast.
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PRINNY
MÜNCHEN, DEUTSCHLAND

Mein Name ist Matthias Regge aka. Prinny. Ich schreibe über Videospiele und bizarre Dinge, die sich in meinem Kopf abspielen.

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