(c) Wizards of the Coast - Illus. Terese Nielsen
Sicht von Unten

Du kannst uns nicht allen entkommen!

Von
am
19. Juni 2018

Ich folge ihr auf die große, runde Plattform. Die Metallscheibe mit einem Durchmesser von etwa 5 Metern balanciert auf einer Schiene. Vergleichbar mit denen, die man von Magnetschwebebahnen kennt. Eine Rehling scheint dafür zu Sorgen, dass niemand über den Rand der Fläche fällt. Um uns herum sind hohe Gebäude. Zerfallen, Menschenleer. Das fast schon Chrom-artige  Glänzen der Scheibe steht im Kontrast zu den tiefschwarzen Umrissen der zerstörten Bauten, um uns herum.

Kaum sind wir beide auf die Plattform getreten beginnt sie sich auch schon zu bewegen. Zügig aber unglaublich ruhig folgt sie der Schiene zwischen den Häusern hindurch. „Ich habe das schon einmal gemacht“, sage ich ihr, während ich an das Geländer herantrete. Die Strecke hat uns bereits mehrere Meter über den Boden geführt. Ein Blick nach Unten lässt mich das dunkelblaue Wasser sehen, aus dem die Hochhäuser hervorragen. Es liegt ebenso ruhig da wie sich die Scheibe zwischen den Ruinen hindurch bewegt.
Stellenweise führt uns die Scheibe hoch genug in die Luft, das man die Dächer der verrottenden Hochhäuser von Oben sehen kann. Durch die Löcher in Decken und Fassaden erhält man einen Einblick in menschenleere Räume gefüllt mit Schutt. Es ist nichts zu hören. Nichts macht ein Geräusch. Weder das Wasser unter uns, noch das runde Transportmittel oder meine Begleitung. Ich vernehme einzig das Zischen des Windes während wir weiter Fahrt aufnehmen.

Während wir wieder etwas an Höhe verlieren steuern wir auf Gebäude zu, das prominent aus der tristen Umgebung heraus sticht. Es wird von einer gigantischen, aufgebrochenen und grün schimmernden Kuppel gekrönt. Die Spur der Schiene verläuft direkt durch ein Loch an deren Spitze in das Gebäude hinein.  An der Spitze der Kuppel angekommen kann ich erkennen wie sich sich die  Strecke nahe deren Wand nach Unten bewegt. Ich kann spüren wie sie, näher an mich tritt als die Scheibe mit wachsender Geschwindigkeit die Spirale, auf der wir uns befinden, nach unten bewegt. Ich sehe um uns herum Balustraden mit alten Stühlen, rote Teppiche und sich schemenhaft bewegende Gestalten.
Ich war mental darauf vorbereitet was als nächstes passieren würde. Die Schiene führt die Scheibe direkt in das dunkelblaue Wasser. Ein Gefühl wie bei dem Sturz einer Achterbahn geht mir durch den Magen und ich halte mich mit beiden Händen an der Rehling vor mir fest. Mit einem klatschen durchstoßen wir die Oberfläche. Es wird schwarz und ich kann das Wasser spüren, das mich umgibt – ich halte die Luft an. Mein Körper scheint zu wissen was als nächstes passiert. Nichts von dem was geschieht bringt mich aus der Ruhe oder fühlt sich ungewohnt an. Die Plattform auf der wir unsere Fahrt verbracht haben stellt sich mit einer gleichmäßigen aber schnellen Bewegung Kopfüber.

Mit dem Beenden dieser Bewegung stehe ich nicht länger auf einer metallenen Scheibe. Ich stehe auf einem gepflasterten Weg innerhalb einer Parkanlage. Die Bäume um mich herum leuchten mit blenden Grün, der Fluss zu meiner rechten mit hellem Blau. Ein starker Kontrast zu der tristen Stadt aus Ruinen, die ich eben verlassen hatte.
Ich beginne zu rennen. Folge einfach dem Pfad der parallel zu dem ruhigen Fluss verläuft. Um mich herum sind Menschen. Erwachsene mit ihren Kindern, Jugendliche, Hunde. Mir wird plötzlich klar, das ich flüchte. Ich flüchte vor ihr.
In dem Moment als mir dies klar wird erscheint sie vor mir. Es ist fast so als wäre ich ihr in die Arme gelaufen. Außer Atem bleibe ich stehen. Eine Armlänge von einander entfernt blickt sie mich an: „Du kannst uns nicht allen entkommen!“

Ihre Worte jagen mir eine Gänsehaut über den Körper. Ich blicke mich um. All die Menschen, die sich um uns herum bewegt haben blicken mit ihrem Gesicht zu mir zurück. Sie haben aufgehört sich zu bewegen und stehen nun reglos da. Wie Statuen mit einem Blick, der sich durch meinen Kopf frisst. Panik erfüllt mich, ich wende mich ab und springe mit einem Satz in den Fluss neben dem Pflasterweg.
Es ist kühl und dunkel. Nicht mehr das helle Blau, dass es zuvor war. Es ist das dunkle Blau, welches den Grund der Ruinen bedeckt hat. Ich stoße mit dem Kopf an die Oberfläche und sehe bereits Drei von ihr um mich herum im Wasser treiben. „Du kannst uns nicht allen entkommen!“, höre ich sie in Einigkeit sagen während ich spüre wie sich mich an Schultern und Kopf erneut unter Wasser drücken.

Ich wache auf.

Die Sicht von Unten

Mir ist bewusst, dass unser Hirn keine Orte und Gesichter erfinden kann. Ergo muss „sie“ jemand gewesen sein, den ich kenne. Leider konnte ich mich selbst nach dem Erwachen an keine Züge erinnern. Auch weiß ich nicht mehr genau was ich zuvor in der selben Nacht geträumt hatte allerdings bin ich mir fast sicher, dass sie auch in diesen Träumen vorgekommen ist.

Transport spielt überraschend oft eine Rolle in Träumen. Oft in Form von Zügen, S- und U-Bahnen.

Was diesen Traum für mich so besonders macht ist, wie unglaublich greifbar er war. Zum Zeitpunk dieses Niederschreibens liegt er Neun Tage zurück. Es gibt also zahlreiche Träume die ihm voraus gehen. Allerdings war es dieser, der mich dazu gebracht hat mich mehr mit der Materie „Traum“ zu befassen. Ich hatte bereits zuvor schon reale Träume. Aber dieser war so greifbar und echt, dass ich trotz seiner albtraumhaften Natur nicht aufgeschreckt bin. Er war einfach plötzlich vorbei. Noch nie in meinem Leben hatte ich so etwas erlebt.

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Mein Name ist Matthias Regge aka. Prinny. Ich schreibe über Videospiele und bizarre Dinge, die sich in meinem Kopf abspielen.

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